Das Projekt in Zahlen
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2012 Beginn 1. Bauabschnitt
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3,2 Mio € Gesamtkosten
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1,1 Mio € Öffentliche Fördermittel
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09/2026 Geplante Fertigstellung
Denkmal Erbdrostenhof, LWL-Hauptverwaltung
Salzstraße 38, 48143 Münster
Der Erbdrostenhof wurde 1753-1757 durch den Baumeister Johann Conrad Schlaun erbaut, es handelt sich um ein bedeutendes Barockbauwerk für das Stadtbild von Münster. Seine Nutzung erstreckt sich von Büro- und Werkstatträumen des LWL-Museumsamt für Westfalen, über Konzerte und Vorträge bis zu internationalen Konferenzen. Das Gebäude wird sowohl vom Landschaftsverband als auch von der Stadt Münster für repräsentative Zwecke genutzt.
Der Erbdrostenhof liegt im Zentrum der Stadt Münster direkt an der Salzstrasse (Fußgängerzone). Er verfügt über drei Vollgeschosse sowie einem ausgebautem Dachgeschoß.
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein hochrangiges Denkmal, weshalb an die Ausführung der Sanierungsarbeiten und Sauberkeit auf der Baustelle sehr hohe Maßstäbe gesetzt werden. Die Arbeiten wurden udn werden teilweise unter Belegung der Räumlichkeiten (Büronutzung) durchgeführt.
Fassadensanierung
Der Erbdrostenhof ist bei den Bombenangriffen des 2. Weltkrieges nahezu vollständig ausgebrannt. Die Rekonstruktionen betreffen vor allem das Innere des Gebäudes und die Seitenflügel, die vollständig abgerissen und wieder aufgebaut wurden. Nach dem Wiederaufbau wurde in den 80er Jahren eine Sanierung der Natursteinfassaden durchgeführt, die leider nur lückenhaft dokumentiert wurde. Die Fassaden wurden in dieser Zeit mit synthetischen Steinverfestigungsmitteln und Hydrophobierungsmitteln „behandelt“, ein großer Teil der nachfolgenden Schadensbilder ist auf diese Behandlungen zurückzuführen.
Bei der Sanierung des Erbdrostenhofes wurde in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege und den zuständigen Diplomrestauratoren des LWL auf einen weiteren Einsatz von synthetischen Steinverfestigungsmitteln verzichtet. Stattdessen wurde das wasserabweisende Verhalten der Natursteine mit natürlichen, systemgerechten Mitteln verbessert. Die Behandlung von Baumberger Sandstein mit Kalksinterwasser (Calciumhydroxydwasser) führt zu guten Ergebnissen und verursacht nachweislich keine Schäden.
Nach der umfassenden händischen Reinigung der Fassade, bei der alle Verunreinigungen und Abschalungen entfernt wurden, erfolgte eine genaue Untersuchung und Kartierung der Schadensbilder. Hier sollte möglichst viel der historischen Steinsubstanz erhalten bleiben. Risse in unterschiedlichen Längen und Tiefen wurden freigelegt, gegebenenfalls im Untergrund geklammert, mit X-Stahlstiften vernadelt und/oder fachgerecht mit Trasskalksuspension verpresst. Ausgebrochene, abgeplatzte und fehlende Stellen innerhalb eines Werksteines wurden, nach individueller Abwägung durch Vierungen mit Baumberger Sandstein vervollständigt.
Fehlstellen an den Flanken wurde durch Antragungen mit speziellem Mörtel so hergestellt, dass die Wasserführung auf der Fassade wieder hergestellt und gesichert bleibt. Viele Schäden aus vorweggegangenen Hydrophobierungen zeichnen sich besonders an den Quaderrändern ab, wo es vermehrt zu Ausbrüchen kommt. Soweit es möglich war, wurde auf Vierungen verzichtet und mit Antragungen gearbeitet. Entschieden wurde im Einzelfall, ob eine Wasserführung auf der Fassade gesichert ist. Wenn dies der Fall war, wurde der Übergang entsprechend ausgearbeitet und auf aufwendige Vierungen verzichtet. Die Übergänge wurden mit einer materialspezifischen Anböschung aus speziellen Mörtelmischungen (siehe Fugarbeiten) hergestellt.
Viele der Steinquader wiesen Schäden in den Flankenbereichen auf. Auch dies ist ein „hausgemachtes Problem“, das man häufig an unsachgemäß sanierten Fassaden findet. Die Natursteine werden hydrophobiert und sind in der äußeren Schicht nicht mehr wasserdurchlässig und viel zu hart. Dazu kommt oft eine viel zu harte, zementhaltige Fuge. Diese bildet keinen dauerhaften Materialverbund. Im Gegenteil, im Laufe der Zeit wird die viel zu harte Fuge brüchig und wird abgestoßen. In den so entstandenen Riss dringt Wasser ein und dies führt dann erneut zu folgenreichen Schadensbildern, die sich selbst reproduzieren und dem Gebäude unaufhaltsam zusetzen. Ein hohes Augenmerk bei dieser Sanierung gilt dabei der sorgsamen Neuverfugung mit materialverträglichen Fugenmaterialien und einer guten handwerklichen Ausführung: Durch gut angepasstes Fugenmaterial und eine fachkundige, sorgfältige Verarbeitung können Natursteinfassaden dauerhaft und sehr wirksam vor weiterem Verfall bewahrt werden.
Fenstersanierung
Ursprünglich gab es Überlegungen, den Erbdrostenhof mit neuen Fenstern auszustatten. Nach eingehenden Voruntersuchungen hat man jedoch herausgefunden, dass es sich um Fenster von außergewöhnlich hoher Qualität handelt: Holzfenster aus den 50er Jahren. Mit der Entscheidung diese zu erhalten, wollte man auch die Leistungen des Wiederaufbaus zu würdigen.
Im ersten Schritt wurden die Flügel und die Oberlichtflügel der Fenster demontiert, nummeriert und zur weiteren Bearbeitung in die Werkstatt transportiert. Anschließend wurde ein einbruchshemmender Notverschluss aus Spanplatten mit Fensterfeld von außen in die Laibung gestellt und von innen befestigt. Die Blendrahmen inkl. Falzen wurden vor Ort thermisch bis auf den tragfähigen Untergrund entlackt, die Flügel und Oberlichter hingegen in der Werkstatt. Hierbei wurde besonders auf den scharf- und vollkantigen Erhalt der historischen Profile geachtet und nur mit entsprechend angeschliffenen Rundkratzern gearbeitet. Die Blendrahmen sowie die Flügel wurden von einer Tischlerei komplett überarbeitet und faules und kaputtes Holz ausgetauscht. Um eine bessere Dichtigkeit der Fenster zu erreichen, wurde eine Lippendichtung als umlaufendes System in die Fenster eingearbeitet. In der Regel wurde die Dichtung 3-seitig in den Blendrahmen eingebracht. An den Flügeln wurde eine Dichtung unterhalb des Wetterschenkels eingebracht. Diese ist notwendig, um eine Dichtung unterhalb des Wetterschlages zu haben, die auch vom Wind getriebenes Wasser davon abhält, in den Fensterrahmen einzudringen. Die Flügel wurden anschließend vor Ort in die Blendrahmen eingepasst und nachgerichtet. Die Oberflächen aller Holzbauteile wurden gänzlich geschliffen und anschließend mit Halböl grundiert, basierend auf Leinölfirnis und pflanzlichem Terpentinöl. Nach der Grundierung wurden die verbliebenen kleineren Schadstellen mit Leinölkitt (ohne Zusatz von Trocknungsbeschleunigern) verkittet und die Oberflächen wieder geschliffen.
Defekte Scheiben wurden durch Restaurierungsglas ausgetauscht. Hierbei handelt es sich um maschinengezogenes 3 mm Fourcaultglas, das historischem, mundgeblasenen Fensterglas nachempfunden ist, jedoch keine Lufteinschlüsse enthält. Um eine bessere Isolierung der historischen Fenster in Bezug auf Wärmedämmung zu erzielen, wurden von innen auf einige der Fensterflügel Energiespar-Vorsatzscheiben montiert. Es handelt sich hierbei um gehärtetes Energiespar-Einscheibensicherheitsglas (ESG) 4 mm als K-Glas (Low-e-Beschichtung/ pyrolytische Beschichtung - Hard-coating). Es folgte ein farbig deckender Zwischenanstrich sowie anschließend der Schlussanstrich, welcher dem ursprünglichen Anstrich und den Vorgaben des Denkmalschutzes entspricht.
Auch die Beschläge der Fenster wurden komplett überarbeitet. Sie wurden entlackt, vollständig funktionstüchtig gemacht und mit Panzerlack endbehandelt. Alle Fenster konnten saniert werden, obwohl einige Fenster in einem sehr schlechten Zustand waren. Dies ist letztlich der hohen handwerklichen Qualität der Fenster aus dem Wiederaufbau zu verdanken. Mit der umfassenden Aufarbeitung der Fenster und der energetischen Ertüchtigung wurde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass es sich beim Erbdrostenhof nicht nur um ein wichtiges, barockes Baudenkmal, sondern auch um ein Denkmal des Wiederaufbaus handelt.
Dachsanierung
Im Rahmen der Fassadenuntersuchung wurde auch das Dach des Erbdrostenhofes mit einem Hubsteiger abgefahren. Die Hohlpfanneneindeckung aus dem Jahre 1955/56 war stark geschädigt. Ein großer Anteil der Ziegel wies starke Verwitterung und Abschalungen auf, sodass eine punktuelle Sanierung nicht mehr in Betracht kam.
Der neue Dachaufbau besteht aus einer hinterlüfteten Konstruktion mit Dämmung und einem Unterdach aus Gutex-Holzfaserplatten. Darüber die Konterlattung und dann die Lattung mit der Ziegeldeckung. Dies ergab einen Gesamtaufbau, der nur 4 cm höher ist als der Ursprungszustand. Durch das Unterdach wurde die Winddichtigkeit erheblich verbessert und durch die Holzfaserdämmung im Bereich der Mansardenflächen und Drempel wurde das Gebäude energetisch ertüchtigt. Dieses Konzept mit seiner geringen neuen Aufbauhöhe ermöglichte es, dass das äußere Erscheinungsbild beibehalten werden konnte und trotzdem eine nachhaltige Verbesserung der Energiekennwerte erreicht wurde. Die Kehlbalkenlage wurde mineralisch mit Einblastechnik gedämmt und Teile des Dachstuhls wurden konstruktiv verstärkt.
Im weiteren Verlauf musste ein Ziegel gefunden werden, der als Eindeckung für polygonale, konvex und konkav geformte Dachflächen geeignet ist. Die Besonderheit der Dachform besteht aus drei parallel zueinander verlaufenden horizontalen Ebenen. Aus der unteren Traufe mit großer Dachrinne, aus der Traufe im Mansardendach und dem First. Zwischen diesen parallel laufenden Ebenen entwickeln sich die konvex und konkav geformten Dachflächen mit wechselnden Ausrichtungen und wechselnden Steigungen der Sparren in vertikaler Ebene, woraus sich eine besondere Herausforderung an die Deckung ergibt. Es wurden mehrere Versuche mit den verschiedensten Ziegeltypen und -formen durchgeführt, jedoch konnte nur mit einem hohen Verwurf am Ziegelrand das Problem der Überdeckung gelöst werden. Dieses Detail wurde so lange geformt, bis es ausreichend Spielraum auf der Unterseite der Deckung gab, um alle Maßverschiebungen auf der Oberseite so zu kompensieren, dass ein gleichmäßiges und harmonisches Deckungsbild entstehen konnte.
Daraus ergab sich ein speziell für dieses Projekt geformter Hohlziegel, derim Kohlebrandofenverfahren hergestellt wurde. Mit diesem Ziegeltyp konnten alle geometrischen Schwierigkeiten dieser ungewöhnlichen Dachlandschaft gelöst werden. Um diese, im Modell entwickelte Form zu testen, wurde ein Dachsegment im Bereich des Innenhofes als Musterfläche neu eingedeckt. Aufgrund des hinterlüfteten Dachaufbaus wurde die letzte Ziegelreihe am First mit Kappen versehen und ein Trockenfirst aufgebracht. Die Hinterlüftung wurde im First mit Hilfe einer Bleischürze gedichtet, die Grate hingegen wurden mehrlagig vermörtelt.
Alle Dachanschlüsse aus Blei (z.B. an den Gauben und Schornsteinköpfen) wurden als hinterstochene Einschnitte ins Mauerwerk/Sandstein mit einer Kappleiste aus Blei ausgeführt. Zudem hat der gesamte Erbdrostenhof hat eine neue Blitzschutzanlage erhalten.
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